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Montag, 27. Dezember 2010

Studie: Kostenelemente in FttB/H-Netzen

Wir haben in den vergangenen Monaten gemeinsam mit unseren Kollegen von SBR eine Studie für den VATM erarbeitet, in der wir quer durch Deutschland bei Telekom-Wettbewerbern konkrete Kosten-Benchmarks für verschiedene Kostenpositionen erhoben haben, die beim Aufbau eines FttB/H-Netzes relevant sind.

Die Auswertung der erhobenen Daten und weiterführende Gespräche mit den beteiligten Unternehmen zeigten trotz einheitlich vorgegebener Parameterstruktur eine große Datenheterogenität. Die Ermittlung repräsentativer, durchschnittlicher Preise für GF-Vorleistungsprodukte war daher nicht mit befriedigender Qualität möglich. Darüber hinaus konnte aufgrund der Struktur der Teilnehmer lediglich eine abschließende Betrachtung für GPON/FTTB-Infrastrukturen erfolgen. Trotz dieser limitierenden Faktoren lassen sich einige Schlussfolgerungen für den weiteren (FTTB-)Glasfasernetzausbau in Deutschland ziehen, die wir in der nachstehenden Tabelle zusammen gefasst haben.

Kostentreiber

Signifikanzder Auswirkung

WACC

Sehr groß

Siedlungsstruktur (Gebäudedichte)

Sehr groß

Siedlungsstruktur (Gebäudegröße)

Sehr groß (für Kosten pro Homes Connected bzw. pro Anschluss); Klein (für Kosten pro Netzabschlusspunkt)

Abschreibungsdauer

Groß

Marktdurchdringung

Sehr groß (für Kosten pro Homes Connected bzw. pro Anschluss); Nicht relevant (für Kosten pro Netzabschlusspunkt)


Diese Zusammenfassung wird diejenigen, die sich mit dem Thema befassen, nicht wirklich erstaunen.
Wir sind aber der Ansicht, auch einige Zahlen präsentieren zu können, die wiederum u.E. in der Granularität in Deutschland bisher nicht veröffentlicht wurden, zumindest nach unserer Kenntnis.

Parameter

Mittelwert

Min

Max

Nutzungsdauer
aktive Technik

12,4 Jahre

6,5 Jahre

20,0 Jahre

Nutzungsdauer
passive Technik

28,3 Jahre

10,0 Jahre

50,0 Jahre

Trassenpreis
je Meter (normiert)

98,10 €

65,40 €

168,80 €

Kabelpreis inkl.
Montage (normiert)

7,90 €

2,70 €

19,10 €

Kosten je Gebäude-
anschluss (AP)

379,80 €

237,00 €

682,70 €



Kosten-Benchmarks zu weiteren Elementen eines FttH/B-Netzes haben wir zwar erhoben, sind aber aus methodischen Gründen der Auffassung, dass wir diese nicht publizieren können, insbesondere weil wir die Validität der Daten für nicht ausreichend halten.

Details zu den teilnehmenden Unternehmen können und werden wir nicht veröffentlichen. Jedoch arbeiten wir derzeit daran, einige "Lessons Learned" zu identifizieren. Insbesondere erscheint es uns einiges Optimierungspotential bei der Bauweise der Hausanschlüsse zu geben, sowie beim Design der Zuführungsebene. Hier zeigen die erhobenen Daten, dass einige Netze signifikant kostengünstiger realisiert wurden, als andere. Und dass müssen wir u.E. alle besser verstehen.

Ziel des Open-Access-Modells des VATMs ist es, Benchmarks für verschiedene Elemente der GF-Anschlussnetze zu identifizieren, die eine Preisfindung in der aktuell noch sehr unübersichtlichen und divergenten Marktsituation zu erleichtern und aus Sicht der Branche unnötige Eingriffe des Regulierers unnötig werden zu lassen.

Wir hoffen, dass sich die Diskussion in der nächsten Zukunft zu diesem für alle Marktteilnehmer relevanten Thema vertieft und wir letztlich zu einem branchenübergreifenden gemeinsamen Verständnis gelangen.

Sonntag, 27. September 2009

Glück und Glas, wie leicht bricht das ...

Dieser Tage (wie an allen Tagen) finden sich auf meinem Rechner wieder mal jede Menge innovative Nutzenargumentationen für althergebrachte Produkte / Dienste. Und es finden sich ebendort für die eher seltenen innovativen Produkte / Dienste eher altbackene Nutzenargumentationen (in der Regel sogar nicht mal Argumente, sondern hohles Geschwätz).

Gleich mehrere Vögel werden hier getötet / abgeschossen, wenn eine groß angelegte Mailingaktion für die Vermarktung von breitbandigen TK-Produkten eröffnet (und schließt) mit folgender Aussage: „Lieber DSL-Nutzer, auch wenn Sie aktuell mit DSL 6.000 oder sogar DSL 16.000 gut auskommen, wir sind uns doch darüber einig, dass diese Geschwindigkeiten bald überholt sind…“
„Na, jetzt aber los“, denkt der geneigte Media Markt Kunde, und sofort wird VDSL oder gar Glasfaser oder was auch immer eingekauft, am besten gleich im 10 kg-Paket frei Bordsteinkante.

Dies ist nur vordergründig lustig bzw. lustig gemeint: Diese Marktbearbeitung illustriert ein Dilemma, das über die dargestellte beredte inhaltliche und verbale Phantasielosigkeit weit hinausgeht und einen der wichtigsten Wachstumsmärkte lahmlegen könnte: den Markt für Breitbandige Telekommunikationsdienste, die letztlich den Glasfaser-Ausbau in Deutschland finanzieren müssen. Niemand hat offensichtlich das richtige Rezept oder den Mut (d.h. das entsprechende Marketingbudget), um neue Rezepte auszuprobieren und im Zweifel in den Biomüll zu geben.

Die alteingesessene Kupferfraktion versucht naturgemäß, die in der Vergangenheit erfolgreichen Strategien so lange zum Brunnen zu tragen, bis sie brechen: Marginale technologische Aufrüstung der alten Technologie, Wettbewerbsverhinderung (es sei denn, es gelingen Kooperationen zu Lasten der Kunden), sowie aktives Regulierungsmanagement. Im Marketing werden Preisschlachten geschlagen (wenn unvermeidlich), „weiche Faktoren“ optimiert (Image etc.), Wechselhürden aufgebaut etc.

Warum hören wir hier nichts über
  • EU-Dienstleistungsverordnung für jeden Gewerbetreibenden im Lande
  • Symmetrische Bandbreitenanforderungen für datenintensive Planungsbüros / Freiberufler
  • Simultane Nutzung zahlreicher Anwendungen im privaten Haushalt
  • Storage-Anforderungen aufgrund Basel 2, Manager-Haftung etc
  • Online-Behördengänge als wichtigste Anwendung der nächsten 3 – 5 Jahre
  • Standort- / Strukturpolitik der öffentlichen Hand
????

Oder wollen wir am Ende gar kein Glas? Denn: … siehe Überschrift …

Wir freuen uns über Rückmeldungen: kai | helmut (at) seim-partner (dot) de

Sonntag, 30. November 2008

Umfrage - Netztopologien

Verehrte Leser,

wir wüßten gerne, welche Netztopographien Sie bevorzugen, bzw. welche Sie ggf. sogar bereits realisieren. Darum haben wir eine Umfrage gestartet und würden uns freuen, wenn Sie uns antworten. Die Umfrage läuft bis Mitte Dezember. Danach stellen wir das Ergebnis kurz vor.

Samstag, 20. September 2008

WestLB Branchenforum Glasfasernetze am 8. und 9.9.08

Am 8. und 9. September veranstaltete die WestLB ein Branchenforum Glasfasernetze. Thema: Glasfasernetzausbau im Anschlußbereich auf Schloss Krickenbeck. Mastermind der Veranstaltung war Thomas Langer, Leiter des Analystenteams für Telekommunikation und Medien.
Herr Langer hat es vermocht, interessante Vorträge zu den Themen Architekturen, Erfahrungsberichte, Regulierung, Kartellrecht, Anwendungen, Zusammenspiel mit der Wohnungswirtschaft, Ländlicher Raum und Finanzierungsformen in angenehmer Atmosphäre zusammen zu bringen und ausreichend für Diskussion und Nebengespräche zu bieten. Auch die anwesenden Gäste vertraten ein hoch interessantes Spektrum:


  • neugierige Mobilfunker (u.a. Voda)

  • zögerlich-skeptische Alt-Nets (z.B. Versatel, QSC)

  • überzeugte Stadtnetz-Betreiber (HeLi Net, Gelsen-Net, ....)

  • enthusiastische Netzplaner und -bauer (Stadtwerke Schwerte, NetCologne, ...)

  • vorsichtige Banker (tlw. Konsolidierung des Marktes einfordernd)

  • Hersteller-Vertreter (rollenkonform tlw. sehr überzeugt, tlw. suchend - z.B. Cisco, Alcatel-Lucent, Keymile ...)

  • um Realismus bemühte Juristen und Ökonomen

  • eine Vielzahl kluger Berater
An dieser Stelle möchten wir uns noch einmal bei der WestLB und insbesondere Herrn Langer bedanken. Eine vergleichbare Veranstaltung mit einem so breiten thematischen Spektrum hat es unseres Erachtens in Deutschland noch nicht gegeben. Wir sind gespannt, wie sich die Anregungen, die wir dort mitnehmen konnten, durch die deutsche Landschaft verbreitern werden.
Und eine Nebenbemerkung sei uns erlaubt: der Garten ist sehr schön - zum Beispiel wachsen dort ein paar sehr schöne alte Rosenstöcke.
Mehr zu den einzelnen Themen in jeweils eigenen Postings in den folgenden Tagen.

Dienstag, 17. Juni 2008

Griechenland, ein weiteres Beispiel für Infrastrukturpolitik

In Griechenland findet derzeit eine große Debatte über den Bau flächendeckender FttH-Infrastruktur statt, begleitet durch ein großes Beratungs- und Diskussionsprogramm.

Inhaltlich geht es um


  • ein Investitionsprogramm, das über eine Milliarde € umfassen wird,

  • mit einem öffentlich diskutierten Geschäftsplan und

  • der Überlegung, einen Infrastrukturanbieter parallel zum heutigen Incumbent aufzubauen, der die passive Infrastruktur realisiert und zur Verfügung stellt,

  • sowie einem Kommunikationsanbieter, der die Basiskommunikation sicherstellt und

  • vielen Service-Providern, die auf dem Netz neue (oder auch alte :-) Dienste anbieten sollen.

Hintergrundinformation zum Businesscase sowie zur Evaluierung finden sich auf unserer Website. Für uns ein weiteres Beispiel, dass Politik das Thema Breitband als Wettbewerbsfaktor im Wettbewerb der Standorte ansieht und entsprechend fördert. Noch befindet sich das Projekt im Planungsstadium. Alleine die Tatsache, dass in Griechenland solche Überlegungen stattfinden, erscheint uns bemerkenswert. Sobald wir mehr über die Ergebnisse der Befragungen haben (hoffentlich Ende Juli) berichten wir mehr.

Hurra - wir leben noch :-)

Wir sind immer noch anwesend, haben den letzten Monat so viel gearbeitet, dass das Bloggen zu kurz gekommen ist. Einiges wollen wir jetzt aufholen, trotz der neuen "Aufgabe" EURO 2008, die uns fesselt (wir finden übrigens, die Holländer bauen nicht nur große FttH-Netze, sondern haben bisher auch großen Fußball abgeliefert ...)

Donnerstag, 8. Mai 2008

Frankreich: Gesetzentwurf zur Vorverkabelung neuer Gebäude mit Glasfaser

In Frankreich wurde am 24. April ein Gesetzentwurf veröffentlicht, der für neue Bauvorhaben bei Gebäuden mit mehr als 25 Wohnungen eine Vorverkabelung mit Glasfaser verpflichtend vorschreibt (Luc Chatel, Regierungssprecher). Ziel sei es, schnellem Breitband einen weiteren Anschub zu geben. Die mit der Auflage verbundenen Kosten sollen sich im Kaufpreis der Wohnungen widerspiegeln. Der Gesetzentwurf soll im Sommer ins Parlament eingebracht und im Herbst diskutiert werden.
Die Regierung rechnet in dem Zusammenhang mit Investitionen in FttH-Netze (Glasfaser ins Haus) in Höhe von 10 Mrd. €.

Wenn ich das lese, wünsche ich mir sehr, dass wir eine vergleichbare Diskussion hier in Deutschland beginnen. Wir laufen sonst Gefahr, im Standortwettbewerb weit nach hinten zu fallen. Zu einer solchen Diskussion gehört dann auch eine Regelung über den Zugang der Netzbegtreiber zu dieser Inhouse-Infrastruktur. Muß man dem Hausbesitzer dafür etwas bezahlen? Wenn ja, wieviel? Gilt auch hier "must carry"?

Zumindest von der Standardisierungsseite passiert mittlerweile einiges in Deutschland. Mehr dazu in den kommenden Tagen.

Politische Debatte über FttH "Down Under"

In Neuseeland und Australien finden derzeit Diskussionen statt über die Förderung neuer GF-Infrastruktur, mit je umgekehrten Vorzeichen. Für die Details der Diskussion sei auf Stephen Davies' Australische FttH Neuigkeiten (in engl. Sprache) verwiesen.

In Neuseeland fordert die ("rechte") Opposition ein steuerfinanziertes Programm, um FttH auszurollen,im Umfang von ca. 1,5 Mrd. Neuseeland $. Das Thema ist Teil des aktuellen Wahlkampfs.Die Opposition wirbt für ihr Prgramm bei den Wählern mit einem ökonomischen Gewinn in Höhe von 2,7 Mrd. Nz$ pro Jahr aufgrund von Produktivitätswachstum. Die regierende Labourparty kritisiert das Programm, das für sie das komplette Gegenteil des aktuellen regulatorischen Regimes darstellt (Trennung des Incumbent und Wettbewerbsstimulierung).

In Australien hat die (Labour-) Regierung eine öffentliche Förderung für ein open access FttH- Netz ausgeschrieben (genannt NBN) - eine 10 Mrd. A$ Investition, mit 5 Mrd. A$ öffentlicher Förderung. Schärfstens kritisiert durch die Opposition.

Wir können die politischen Diskussionen in Neuseeland und Australien aufgrund unserer großen Distanz nicht seriös kommentieren. Uns geht es mit dem Hinweis um etwas anderes. Mit Benoit Felten stimmen wir darin überein, dass die Frage, ob und wie FttH realisiert werden soll, Gegenstand der politischen Debatte geworden ist in beiden Ländern (im Gegensatz zu unserer europäischen Diskussion heute). Wir sind gespannt auf die Entwicklung in Deutschland. Wird z.B. eine Landesregierung, die vor der Wiederwahl steht und dafür Argumente sucht, sich des Themas FttH (Glasfaser ins Haus) annehmen? Mit welchen Konsequenzen? Ein erstes Anzeichen scheint uns die Anfrage der "Linken" zum Thema "Breitband als Universaldienst" zu sein. Wir sind gespannt, wie sich diese Diskussion entwickelt. Auf der lokalen Ebene spüren wir diese Probleme heute schon.

Samstag, 26. April 2008

DSL - R.I.P



Unter dem Obertitel "Breitband - tot oder lebendig?" hat das Telco-Team der WestLB eine lesenswerte Studie zum deutschen Breitbandmarkt veröffentlicht. Der DSL-Grabstein provoziert und erheitert gleichermaßen, bringt aber unseres Erachtens das Problem auf den Punkt:

Durch das ungebrochene Bandbreitenwachstum in den Accessnetzen wird die DSL-Infrastruktur in den nächsten Jahren an ihre physikalischen Grenzen stoßen.

Die WestLB prognostiziert 2009 als Zeitpunkt (mit all den nötigen Einschränkungen).

Wir teilen nicht jede Aussage der Studie, sind aber der Ansicht, dass das Team der West LB es (wieder einmal) geschafft hat, einen detaillierten und auch sehr vollständigen Überblick über den Markt in Deutschland zu geben. Betrachtet werden Netzbetreiber wie auch (börsennotierte) Equipmenthersteller - und der internationale Vergleich kommt dabei nicht zu kurz.

Wer mehr wissen möchte, sei auf Herrn Langer verwiesen (thomas-punkt-langer-at-westlb-punkt-de - diese Schreibweise bitte manuell übertragen. Wir wehren uns so gegen spambots).

Für uns ist folgendes wichtig: mit dieser Studie dokumentiert ein neutraler Marktteilnehmer, dass die heute überwiegend eingesetzte DSL-Technik am Ende ihres Lebenszyklus' angelangt ist. Gleichzeitig werden dort Geschäftsmodelle behandelt zur Finanzierung neuer Infrastrukturen, insbesondere open access. Insbesondere hier sehen wir noch erheblichen Diskussionsbedarf. Aber zumindest hat jemand in Deutschland diese Diskussion begonnen.

Bei der Behandlung von Geschäftsmodellen wird deutlich: die WestLB sieht (und da sind wir derselben Auffassung) insbesondere die Städte und Gemeinden als die eigentlichen Treiber bei der Modernisierung der TK-Infrastruktur. Die Gemeinden sind aktuell die Einzigen, die ein Interesse an moderner TK-Infrastruktur formulieren und begründen können. Die Versorgungsprobleme werden jeweils lokal konkrekt. Im Gewerbegebiet von Neuenxyz bekommt man ab einer bestimmten Hausnummer der Gavwxyzer Straße keine vernünftige Breitbandversorgung mehr. Von daher ist es für uns sehr klar: die Lösung wird dieses Mal "von unten" kommen, hoffentlich bald mit Hilfe "von oben".

Sonntag, 30. März 2008

Erste Schritte: Standardisierungsdiskussion zu FttH

Es bewegt sich etwas in Deutschland: im Rahmen der Informationstechnischen Gesellschaft im VDE (kurz ITG) hat eine Diskussion zwischen verschiedenen Teilnehmern der Wertschöpfungskette begonnen, die das Thema der letzten Meile bei FttH behandelt. Initiatoren dieser Diskussion waren insbesondere Jochen Schwarz (Alcatel-Lucent) und Dr. Dieter Klumpp (Alcatel-Lucent-Stiftung für Kommunikationsforschung). In der ersten Gesprächsrunde waren ausserdem Vertreter folgender Firmen und Institutionen beteiligt: 3M, ADC, Diamond, Heinrich-Hertz-Institut, DTAG, EWE-Tel, NoSieNet, Seim & Partners, GFI, DKE, Breko.
Ziel der Diskussionen ist, die nötigen Standards, bzw. Empfehlungen zu beschreiben, um FttH in der letzten Netzebene zu realisieren. Aktuell ist die Diskussion konzentriert auf die Netzebene ab dem Anschlußpunkt Linientechnik im Gebäude.
Motiviert ist die Diskussion durch einen übergreifenden Konsens, dass das Bandbreitenwachstum ungebremst weiter geht und somit neue Infrastrukturen (FttH) erfordert. Andererseits verzögern aber viele ungelöste technische Fragen die Projekte und treiben damit die Kosten.

Die Arbeit in dieser Arbeitsgruppe ist erst am Anfang. Daher ist es für andere Institutionen und Unternehmen zum jetzigen Zeitpunkt noch sehr einfach, sich zu beteiligen. Die Runde ist dafür auch sehr offen. Wer Interesse an einer Mitarbeit hat: einfach Kontakt aufnehmen.

Freitag, 21. März 2008

Internet - Fundsache

http://

Vielfache Bandbreite - Architekturdiskussion dringend nötig!

Für viele (nicht Alle!) ist klar: der Bandbreitenbedarf wird so stark steigen, dass die Netze ausgebaut werden müssen. Oft zitiert wird "Nielsens Law", das kurz zusammen gefasst ein 50% Verkehrswachstum p.a. postuliert, siehe: http://www.useit.com/alertbox/980405.html. Mehr zu Teilen der Diskussion z.B. hier: http://www.useit.com/alertbox/ oder hier: http://cleanslate.stanford.edu/.
Was uns (in Deutschland) derzeit fehlt, ist eine vergleichbare Diskussion. Wir müssen darüber diskutiert, welche architektonischen Konsequenzen zu ziehen sind. Fragen, die u.E. dringend behandelt werden müssten (unsortiert):

  • sind Funknetze wirklich die Lösung des Breitband-Problems - oder nicht doch des Mobilitätsproblems? Müssen wir nicht neue Festnetz-Infrastrukturen bauen?
  • ist das IP-Protokoll noch adäquat? Oder müssen wir eine Weiterentwicklung anstossen, die heute fehlende Eigenschaften (z.B. Identitätszusicherung zwischen Absender und Empfänger) realisiert - zumindest für die Anwendungsbereiche (z.B. eGovernment oder eHealth), die für ihr Funktionieren darauf angewiesen sind? Oder wie stellen wir sicher, dass der Bürger weiß, dass ihm die Behörde schreibt und umgekehrt ("ladungsfähiges Internet")? Wie stellen wir sicher, dass das Arztgeheimnis auch bei einer Fernbetreuung über das Internet sichergestellt wird?
  • Wie lange reicht die Kupfer-Doppelader-Infrastruktur (realisiert in den 50er und 60er Jahren), die zwar im europäischen Vergleich immer wieder für ihre Qualität gelobt wird, aber heute in den ländlichen Gegenden bereits verhindert, dass dort Breitband angeboten werden kann? Wie sieht es für die Koax-Infrastruktur (gebaut in den 80ern) aus?
  • Welche Ziele verfolgen wir im internationalen Standort-Wettbewerb? Will Deutschland bei der "Renovierung" des Internet mitmachen?
  • Wie stellt man einen immer verfügbaren Notruf sicher, wenn man die Daten dafür mittels Koax oder Glasfaser überträgt, statt mit der Kupfer-Doppelader, die auch 48 V Gleichstrom liefern kann für gute alte Telefonie?
  • Wer soll das bezahlen?
  • Wieviel darf es kosten?

Wir haben aktuell das Gefühl, dass das Thema getreu dem Motto "ist's Silvester hell und klar, wird es morgen dann Neujahr" behandelt wird. Fehlt der Feind? Zumindest sollten wir zur Kenntnis nehmen, dass alleine in den USA 400 Mio. $ für das clean slate Programm (s.o.) investiert werden. Parallele zum letzten Post: Frankreich investiert in Infrastruktur, USA in grundlegende Architektur, Deutschland Fehlanzeige!

Donnerstag, 20. März 2008

Deutschland / Frankreich - zwei unterschiedliche Politikansätze

Letzten Monat waren wir auf der Konferenz des FttH Council Europe in Paris. Beeindruckend war, dass insbesondere die französischen Teilnehmer wie auch Besucher immer wieder sehr deutlich gemacht, dass für sie (als französische Bürger) die Investition in Glasfaser nicht alleine technisch motiviert ist (es ist eben toll, so viel Bandbreite zur Verfügung zu haben), sondern dass sie dies vielmehr als Mittel in der Konkurrenz zwischen (Wirtschafts-) Standorten ansehen. Dies ist der Treiber für die staatliche Förderung von TK-Infrastruktur.

In der Kürze schwer zu überprüfende Zahl:
3 Mill. € investiert der französische Staat in TK-Infrastruktur, davon 1 Mill. in Glasfaser-Projekte (so z.B. Agnes Huet, Comptoir des Signaux).

Besonders beeindruckend (für mich Deutschen :-) war eine Präsentation des Departments Hauts de Seine (Nachbarschaft zu Paris). Haut des Seine fördert mit staatlichen Mitteln, ausgelobt in einer öffentlichen Ausschreibung, den Ausbau von Glasfaser-Infrastruktur. Die Vergabekriterien und -verfahren wurden, so zumindest mein Verständnis, mit der EU-Kommision "abgestimmt", um späteren Rechtsstreitigkeiten wg. EU-Rechtsverstößen zu entgehen.

Ein paar Zahlen zu Haute de Seine:

  • 1.500.000 Einwohner
  • 36 Gemeinden auf insgesamt 175 km² städtisch bis dörflich
  • > 75.000 Unternehmen
  • 1,9 Mil. Haushaltsbudget für das Department

Gründe für das Projekt:

  • 50% des Wachstums kommen aus der ITK-Industrie (~ 110.000 Arbeitsplätze in Hauts de Seine),
  • weltweiter Wettbewerb zwischen den Geschäftszentren,
  • Vorbereitung für "Post-Dsl-Ära",
  • Stimulanz für weitere Investitionen in die sogenannte "digitale Ökonomie".

Projektvolumen und -ziele:

  • mehr als 400 Mio. Investition für Planung, Bau und Betrieb eines passiven optischen Netzes, mit dem Ziel der vollen Haushaltsabdeckung!
  • > 820 000 Hausanschlüsse erschlossen (nicht angeschlossen)
  • 500 €/erschlossenem Haus im Schnitt (mit Unterschieden zwischen 1 - 7 im Gesamtgebiet)
  • innerhalb von 6 Jahren
  • Fördervolumen: 59 Mio. € innerh. von 6 Jahre (~ 20% des Investitionsvolumens)
  • ausschließlich zu verwenden, um verlustträchtige unprofitable Gebiete zu erschließen.
Das Department hat als Basis für die Förderung einen Geschäftsplan entwickelt, in dem das Department sehr kleinteilig unterteilt wurde (ca. 500 Teilgebiete), für die jeweils die Errichtungskosten ermittelt wurden. Nur für die als unprofitabel identifizierten gebiete wurde Förderung ausgelobt. Die Auszahlung ist an Benchmarks geknüpft, kann also niedriger ausfallen als die ausgelobten 59 Mio. € (aber nicht höher :-).

Gewinner der Ausschreibung war ein Konsortium aus den Firmen Numéricable, LD Collectivités und Eiffage.
Letze Information: es steht ein Rechtsstreit an, da Colt gegen das Ergebnis der Ausschreibung Widerspruch eingelegt hat.

Fazit: für Franzosen (aber wie man auf der Konferenz sehen konnte auch für Osteuropäer, Holländer und Skandinavier) ist FttH, bzw. generell Glasfaser-Infrastruktur das Mittel im Wettbewerb der Wirtschaftstandorte. Hier wird verglichen mit den Möglichkeiten in Singapur und Hongkong, in den USA etc. NICHT mit Deutschland.

Mehr über die FttH Konferenz in einem nächsten Beitrag.

Motivation

Wir arbeiten seit Längerem unter der Überschrift "Dorfcarrier" am Thema "Breitband für den ländlichen Raum".
Dabei sammeln sich viele Informationen, die wir gerne mit Anderen teilen wollen, seien es Glasfaser-Projekte, Betroffene und Mandatsträger in den Gemeinden oder an Telekommunikation Interessierte.
Wir freuen uns über jede Rückmeldung, die Inhalt und Darstellung verbessert!

Wir beschäftigen uns überwiegend mit Glasfaser-Projekten, dabei schwerpunktmäßig mit "Fiber to the Home" (FttH), aber auch anderen verwandten Themen. Bei der Entwicklung der nötigen Businesspläne haben wir viel gelernt. Wir lernen dazu über Recht, Technik, Planung, Produkte etc. Dieses wollen teilen - soweit möglich.

Wir haben aber auch viele Fragen. Auch die wollen wir veröffentlichen und die Ergebnisse wiederum hier veröffentlichen. Wir hoffen auf eine angeregte Diskussion.