Donnerstag, 20. März 2008

Deutschland / Frankreich - zwei unterschiedliche Politikansätze

Letzten Monat waren wir auf der Konferenz des FttH Council Europe in Paris. Beeindruckend war, dass insbesondere die französischen Teilnehmer wie auch Besucher immer wieder sehr deutlich gemacht, dass für sie (als französische Bürger) die Investition in Glasfaser nicht alleine technisch motiviert ist (es ist eben toll, so viel Bandbreite zur Verfügung zu haben), sondern dass sie dies vielmehr als Mittel in der Konkurrenz zwischen (Wirtschafts-) Standorten ansehen. Dies ist der Treiber für die staatliche Förderung von TK-Infrastruktur.

In der Kürze schwer zu überprüfende Zahl:
3 Mill. € investiert der französische Staat in TK-Infrastruktur, davon 1 Mill. in Glasfaser-Projekte (so z.B. Agnes Huet, Comptoir des Signaux).

Besonders beeindruckend (für mich Deutschen :-) war eine Präsentation des Departments Hauts de Seine (Nachbarschaft zu Paris). Haut des Seine fördert mit staatlichen Mitteln, ausgelobt in einer öffentlichen Ausschreibung, den Ausbau von Glasfaser-Infrastruktur. Die Vergabekriterien und -verfahren wurden, so zumindest mein Verständnis, mit der EU-Kommision "abgestimmt", um späteren Rechtsstreitigkeiten wg. EU-Rechtsverstößen zu entgehen.

Ein paar Zahlen zu Haute de Seine:

  • 1.500.000 Einwohner
  • 36 Gemeinden auf insgesamt 175 km² städtisch bis dörflich
  • > 75.000 Unternehmen
  • 1,9 Mil. Haushaltsbudget für das Department

Gründe für das Projekt:

  • 50% des Wachstums kommen aus der ITK-Industrie (~ 110.000 Arbeitsplätze in Hauts de Seine),
  • weltweiter Wettbewerb zwischen den Geschäftszentren,
  • Vorbereitung für "Post-Dsl-Ära",
  • Stimulanz für weitere Investitionen in die sogenannte "digitale Ökonomie".

Projektvolumen und -ziele:

  • mehr als 400 Mio. Investition für Planung, Bau und Betrieb eines passiven optischen Netzes, mit dem Ziel der vollen Haushaltsabdeckung!
  • > 820 000 Hausanschlüsse erschlossen (nicht angeschlossen)
  • 500 €/erschlossenem Haus im Schnitt (mit Unterschieden zwischen 1 - 7 im Gesamtgebiet)
  • innerhalb von 6 Jahren
  • Fördervolumen: 59 Mio. € innerh. von 6 Jahre (~ 20% des Investitionsvolumens)
  • ausschließlich zu verwenden, um verlustträchtige unprofitable Gebiete zu erschließen.
Das Department hat als Basis für die Förderung einen Geschäftsplan entwickelt, in dem das Department sehr kleinteilig unterteilt wurde (ca. 500 Teilgebiete), für die jeweils die Errichtungskosten ermittelt wurden. Nur für die als unprofitabel identifizierten gebiete wurde Förderung ausgelobt. Die Auszahlung ist an Benchmarks geknüpft, kann also niedriger ausfallen als die ausgelobten 59 Mio. € (aber nicht höher :-).

Gewinner der Ausschreibung war ein Konsortium aus den Firmen Numéricable, LD Collectivités und Eiffage.
Letze Information: es steht ein Rechtsstreit an, da Colt gegen das Ergebnis der Ausschreibung Widerspruch eingelegt hat.

Fazit: für Franzosen (aber wie man auf der Konferenz sehen konnte auch für Osteuropäer, Holländer und Skandinavier) ist FttH, bzw. generell Glasfaser-Infrastruktur das Mittel im Wettbewerb der Wirtschaftstandorte. Hier wird verglichen mit den Möglichkeiten in Singapur und Hongkong, in den USA etc. NICHT mit Deutschland.

Mehr über die FttH Konferenz in einem nächsten Beitrag.

Keine Kommentare: