Freitag, 29. Mai 2009

Kurzbericht zum VATM Tele-Kompass Berlin-Mitte, am 12. Mai 2009

Heute tragen wir etwas von unseren "Blogging-Schulden" ab. Mit Schuld hat einer unserer Leser, der heute unsere FttH-Studie geordert hat. Da merken wir, dass wir nicht "in's Leere" schreiben. Danke!

Thema des heutigen Postings ist eine Veranstaltung des VATM zu „Open-Access-Modell für Deutschland, Wettbewerb schafft nachhaltige Investitionen in moderne Breitbandnetze“

In der Keynote motivierte Hr. Eickers (VATM-Präsident) das Open-Access-Modell als Gegenpol zur Monopolrendite, als Mittel zur Kooperation in der Breitbandinfrastruktur und zur Verteilung der nötigen Investitionen mit mehr als 50% für die Wettbewerber.

Das Modell umfasst u.a. folgende Thesen zum Investitions- und Zugangskonzept:

  • Gemeinsamer KVz-Ausbau mit entsprechender Dimensionierung durch Kostenteilung;
  • Orientierung der Ausbauregeln an den Erkenntnissen aus dem HVT-Umfeld;
  • Festschreibung des Anspruchs auf Platz im KVz, wenn er vorhanden ist;
  • Anteilige Beteiligung an den ursprünglichen Investitionen (Rückvergütung der Baukosten KVz);
  • Möglichkeiten zur Reservierung von Platz im KVz;
  • Möglichkeit der zeitlichen Entkopplung der Investitionen einzelner Teilnehmer;
  • Transparenz hinsichtlich Belegung und Reservierung in einem KVz;
  • bedarfsgerechte, volumenbezogene Kostenteilung der Leerrohrverlegung;
  • CAPEX-basierte Struktur (nicht Mieter, sondern Miteigentümer) der Infrastruktur;
  • Zielvorstellung: Zügiger Abbau der HVT und Migration der HVT durch die DTAG
  • Voraussetzung: Bitstrom-Zugang zur Infrastruktur
  • Kolokation von KVz, Leerrohrkataster Verfügbarkeit, GF-Zugänge
  • DTAG ist gefordert, die 73 Zugänge auf 900 Metronots auszubauen

Tagesspiegel-Moderator Hr. Zurheide bat die Teilnehmer der Podiumsdiskussion um Stellungnahmen zur Machbarkeit des Vorgehens. Einige Aussagen waren folgende: Hr. Kurth (Präsident BNetzA)

Beirat hat am 11.5.09 entschieden:

  • Förderung von Kooperationsprojekten,
  • Bereitstellung eines Leerrohrkatasters,
  • Gründung eines NGA-Forums, dessen Mitglieder aktuell besetzt werden.
  • Kritik am geringen Erfolg des VDSL
  • zentrale Schaltverteiler in den Dörfern müssen geöffnet werden
  • Leerrohre sind offen für den Wettbewerb, es gibt keine Entscheidung zum Preis

Aussagen von Hr. Dr. Schuhseil (BMWi):

  • BMWi ist zuständig für den Schutz des Wettbewerbs;
  • Es bedarf der Regulierung für die Umsetzung des langfristigen Ziels der Bundesregierung zum Breitbandnetzt (flächendeckendes Breitband bis Ende 2014);
  • im Gegensatz zum Geschäftsmodell im alten Kupfernetz fehlt aktuell vor allem „jemand, der investiert“;

Hr. Schwarz (Alcatel) - Leiter der AG2 der D21-Initiative (Finanzierung / Kooperation bei NGA-Netz-Aufbau):

  • „Es geht voran, aber aktuell geht jeder allein“
  • Es gibt eine AG 2 für das neue Breitband in Vorbereitung für den IT-Gipfel 4;
  • Kooperationen werden erarbeitet.

Hr. Stöber (Arcor, VATM):

  • aktuelles Marktgeschehen ist „eher Zeit schinden“
  • das Aufholen des Vorsprungs der DTAG in den 51 VDSL-Städten wird für alle Wettbewerber sehr schwer sein;
  • „Äußerung einer eher pessimistischen Prognose: ihm fehlt die Bereitschaft im Markt zu glauben, dass Breitband mit Open Access das Zukunftsmodell der TK ist; DTAG ist zurückhaltend, Kabelnetzbetreiber preschen allein immer erfolgreicher vor, werden nicht reguliert“;
  • einziges positives Kooperationsprojekt ist ARCOR/DTAG in Heilbronn-Würzburg mit DTAG-Leerrohren und eigenen KVz von ARCOR.;
  • „Cashflow-Planung der DTAG bedingt aktuell den Breitbandausbau in Deutschland“.

Anmerkungen im Laufe des Diskussion aus dem Publikum:

  • Investitionssharing umstritten (s. SWISSCOM, die das Modell z.T. zurückziehen)
  • Open ACCESS wird als Bottleneck-Regulierung verstanden
  • keine Festlegung auf eine Infrastrukturtechnologie
  • „Aufruf zum Schwingen der Keule“

Nach diesen eher einzelnen Aussagen und einem vielversprechenden Warmwerden für Diskussion, war die Zeit in der großen Runde der ca. 100 Teilnehmer leider abgelaufen. Das Publikum war mit Entscheidern der Branchen besetzt und hätte sicherlich gemeinsam mit dem Podium weiterdiskutiert.

Für die nächste Veranstaltung wagen wir die bescheidene Anmerkung: mehr Zeit und Raum für Diskussion öffnen - die Bereitschaft wäre an dem Abend da gewesen.

Montag, 25. Mai 2009

Hinweis in eigene Sache: FttH-Studie kann bestellt werden!

Liebe Leser,
nach langer Zeit einmal wieder ein Lebenszeichen. Wir sind in den letzten zwei Monaten so in Projekten abgetaucht, dass wir nicht mehr zum bloggen kamen, dabei gäbe es einiges zu berichten:
  • Die Initiative D21 arbeitet an Kooperationsmodellen f.d. Breitbandausbau
  • der VATM hat sich zu Open Access Modellen geäußert
  • die EU-Kommission (Wettbewerbskommissariat) hat ein Papier erstellt, in dem sie die Rahmenbedingungen für öffentlich geförderte Breitband-Projekte zu definieren sucht (als Draft for consultation, so unser Verständnis)
  • die EU-Kommission bittet (zur Entscheidung, ob ein Wettbewerbsverfahren gegen die Bundesrepublik eröffnet werden soll) um Stellungnahme zu öffentlich geförderten Breitbandprojekten mit der DTAG (insges. 400 Stk) aus Anlaß einer offiziellen Beschwerde eines einzelnen Unternehmens aus dem äußersten Westen der Republik

All das wollen wir - so weit möglich - nachholen.

Heute aber wollen wir darauf hinweisen, dass wir unsere FttH-Studie fertiggestellt haben. Sie ist derzeit im Druck. Unser Motto dabei ist:

„Jeder spricht darüber, aber wer tut es?“

Zumindest für die Bemühungen in Deutschland, Glasfaserinfrastrukturen bis in die Gebäude zu verlegen, konnte diese Frage lange Zeit nicht beantwortet werden. Um diesem Erkenntnisnotstand abzuhelfen, haben wir in den letzten Monaten eine umfassende Untersuchung in Deutschland durchgeführt mit dem Ziel, eine Übersicht über die aktuellen Glasfaserprojekte zwischen Hamburg und München zu liefern.

Das Ergebnis der Studie "Fibre in Germany, Fibre Infrastructures for Access Networks - An Overview" zeigt den ersten kompletten Überblick über die aktuellen lokalen Glasfaserprojekte (2009).

Dabei werden alle bekannten Projekte einzeln beschrieben, es wird die Größe der Projekte (in Investitionskosten sowie in Anzahl der angeschlossenen Häuser/Gebäude) dargestellt, sowie – soweit verfügbar – Fördermittel und Penetrationsraten. Obwohl nur wenige Informationen öffentlich verfügbar waren, vermittelt die Studie einen interessanten Einblick in diesen noch jungen, aber dynamisch wachsenden Markt: So kön­nen keine Patentrezepte abgeleitet werden; jedes Projekt unterliegt völlig unterschied­li­chen Entscheidungssituationen: die Preise pro angeschlossenem Haushalt differieren, die Preismodelle sind ebenso individuell wie die ökonomischen und politischen Strategien. Die Studie kann gegen Zahlung einer Schutzgebühr (49,90 €) angefordert werden bei:
Seim & Partner, Beratung für Telekommunikation und IT kai (at) seim-partner (dot) de.