Sonntag, 22. Juni 2008

Veranstaltung der IHK Nordschwarzwald am 29.5.

Zum Thema Breitband im ländlichen Raum fand vor einigen Wochen (29. Mai) eine Veranstaltung der IHK Nordschwarzwald in Keltern statt, bei der wir - neben vielen anderen - unseren Ansatz für Breitband mittels Glasfaser in's Haus vorgestellt haben. Da wir die Diskussion teilweise sehr interessant fanden, hier einige Notizen zu dieser Veranstaltung. Wie's manchmal so ist, braucht das Verarbeiten etwas länger, daher erst heute dieser Post.

Organisiert von IHK; Teilnehmer: Anbieter von Zugangstechnologien, sowohl traditionelle (Bspw. Telekom: DSL) als auch alternative (Bspw. Skytron: Funk). In Keltern nutzen ggw. ca. 4320 Haushalte einen Kabelanschluß.

Vorträge/Präsentationen:

1. Einleitende Statements von Hrn. Hasch (IHK):
In seiner Einleitung verwies Herr Hasch auf eine Untersuchung über Zugangsprobleme bei gewerblichen Kunden. Teilweise wurden darin Aussagen gemacht, die zeigen, dass bereits heute massive wirtschaftliche Schäden durch fehlende breitbandigen Internetanschlüsse entstehen. Das Gewerbe hat massiven Handlungsdruck lt. dieser Erhebung der IHK.

2. Einführung Hr. Reiss, Wirtschaftsministerium Baden Württemberg:
in spätestens 5-10 Jahren kann das Gewerbe nicht mehr mit den aktuellen Bandbreiten auskommen. Es wird dann mind. 1 GB gebraucht; nach Einschätzung von Hrn. Reiss ist hier eine Lösung mit Glasfaser unverzichtbar. Deshalb die klare Forderung an Bürgermeister und Kommunen, bei jedem Tiefbauprojekt Leerrohre zu verlegen (Förderung sei gegeben).

Fragen des Auditoriums betrafen vor allem die Voraussetzungen einer Förderung von Projekten.
Antwort zu diesem Punkt: eine Marktanalyse ist zwingend erforderlich (Anforderungen/Bedarf der Kunden). Hilfestellung für die Kommunen gibt hier die Homepage der Clearingstelle (siehe Linkliste). Dort findet sich ein Leitfaden, aber: es gibt keine einheitliche Vorgehensweise, keine „Abhakliste“. Die Kriterien finden sich auf der Homepage. Die örtliche Situation ist in der Regel jedoch individuell und entscheidend.

3. Vorträge der Provider:

Skytron, Funklösung: Punkt zu Punkt bis 600 mb möglich; Privat: 2 mb, 2 Jahre nur Angebote an Geschäftskunden, dann Privatkunden um die Netzauslastung zu verbessern. Preis für gewerbliche Kunden: 499,-- Bereitstellung; Monatspreise ab 49.-für 20 mb.
skyDSL: Satellitenlösung, Abdeckung Bundesgebiet; keine Investitionen erforderlich für Gemeinde; aber: Rückkanal nur über vorhandene Infrastruktur (, Telefon, Mobil etc…) möglich, deshalb eher schmalbandig. Tarife: 1mb, 2 mb, 4 mb: 54,90 (24 monate); 59,90 bei 12 monaten. High speed option: bis 24 mb (20 std für 15,-- oder 1,59 ct pro minute)
Kabel BW: Das Angebot umfaßt TV; Telefon; Internet. In BW ggw. ca. 3,4 anschließbare, 2,3 mio angeschlossene Haushalte als TV-Kunden; 240 000 Internet-kunden; ca. 370 Mio Umsatz; Laut eigener Aussage sind noch nach 10 km bis zu 32 mb möglich. Aber: Es handelt sich um ein shared medium, dh. die Bandbreite kann nicht garantiert werden. In Zukunft ist geplant, mit Glasfaser das Netz zu ergänzen.
Frage: wann ist damit zu rechnen?
Antwort: Ausbaupläne werden nach wirtschaftlichen Erwägungen Zug um Zug umgesetzt. Die Strategie ist jedoch, mit Glas immer näher zum Kunden zu kommen. Preise: Hausanschluß: 398,--, wenn das Kabel am Haus vorbeiläuft. Monatliche Anschlußgebühr: 16,98. dazu kommen volumenabhängige Tarife, bspw. für 32 mb: 49,90; Auf die entsprechende Frage nach der Sinnhaftigkeit für Geschäftskunden wurde eingeräumt, dass dies kein Produkt für Geschäftskunden ist, da bspw. keine eigene IP-Adresse angeboten werden kann.
Vodafone: bietet UMTS dort an, wo verfügbar (derzeit 3,6MB) zu den bekannten Preisen.
Telekom: es wurde vom Referenten insb. dargelegt, dass die Telekom aufgrund wirtschaftlicher und regulatorischer Notwendigkeiten keine breitbandige Infrastruktur außerhalb der strategieschen Schwerpunkte verlegen kann. (insb. die regulatorischen Argumente wurden in der Diskussion stark angezweifelt ....). In ein 50er Leerrohr könnten rein technisch 500 – 600 Fasern verlegt werden. Ggw. werden maximal Standleitungen angeboten. Preise dafür: 2MB kosten zwischen 300 und 500 Euro pro Monat. Es gibt jede Menge Anfragen nach Glasfaser bei Telekom. Ursachen sind hier bspw. die stark steigende Anzahl der Heimarbeitsplätze. Auf entsprechende Anfragen stellte sich heraus, dass die Telekom – außer bei massiven Zahlungen der Gemeinde – offensichtlich nicht bereit ist, breitbandige Infrastruktur zu verlegen. Fragen nach dem Ausbaustand bzw. der Ausbauplanung einzelner Orte wurden im Nachgang durch den Referenten der Telekom beantwortet.
UnserNetz: Der Ansatz breitbandige Infrastruktur durch alternative Technologien (Glasfaser, Funk, etc.) stieß auf großes Interesse. Kernaussage: Breitband ist auch in ländlichen Gemeinden profitabel und mit attraktiven Kundenpreisen realisierbar. Dabei ist jedoch jede Gemeinde als individuelles Projekt anzusehen und zu behandeln. Es gibt keine Standardlösungen.
Frage: Soll eine Gemeinde, die bereits eine gute Abdeckung mit Kabel aufweist, diese zweite Infrastruktur aufbauen?
Antwort: Wenn es nur noch darum geht, Lücken zu füllen, ist es besser, weiter in Kabel zu investieren. UnserNetz sieht sich als Infrastrukturanbieter, der den Markt innerhalb einer Gemeinde weitgehend abdeckt, nicht als Zweit- oder Dritt- Anbieter einer Infrastruktur. Dies ist nicht wirtschaftlich abbildbar.
Frage nach Preisen und Investitionsvolumen:
Antwort: Abhängig vom Einzelfall. Vorprojekt erforderlich, das Marktanalyse, Netzplanung und Finanzierungsalternativen für jede Gemeinde individuell erarbeitet.
Frage nach Regulierung einer solchen Infrastruktur:
Antwort: Da keine Marktbeherrschung, wird die Infrastruktur nicht reguliert werden.
Frage nach Konkurrenz zu Dienste-/Technologieanbietern:
Antwort: Konkurrenz nicht gegeben, da technologieneutral und offen für Diensteanbieter; abhängig vom Preismodell für Vorleistungen. Auch Telekom mit T-Home könnte über diese Infrastruktur in die Haushalte gebracht werden.
Frage nach Realisierungszeitraum:
Antwort: abhängig von individueller Situation der Gemeinde (Anzahl Haushalte, Vorhandene Netztopographie, Wegerechte, ), z.B. für eine Gemeinde mit 1500 Haushalten kalulieren wir ca. 9 Monate Realisierungsdauer, für größere Gemeinden (15.000 Haushalte) ca. 1,5 - 3 Jahre, abhängig von der Projektsituation (Topographie, Kundenzuspruch, Baukapazitäten).

Abschließend bleibt uns nur noch einmal der IHK und insbesondere Herrn Hasch zu danken, der es geschafft hat, eine interessante Runde zusammen zu bringen und eine gute Vorbereitung erbracht hat.

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