Sonntag, 27. September 2009

... und täglich grüßt das Magenta-Tier

Vorweg: Heute ein emotionaler (und damit ggf. von einigen Lesern als unsachlich empfundener) Beitrag, der den Frust reflektiert, den wir in der letzten zeit in einigen Mandaten "gesammelt" haben.


Strategie kann so einfach sein: wenn ich etwas habe, das andere benötigen, dann behalte ich das so lange für mich, wie es irgend geht.
Genauso verhält sich die Deutsche Telekom, wenn es um Informationen geht, die von den übrigen Marktteilnehmern und der öffentlichen Hand gebraucht werden, um endlich Breitband auf´s Land bringen zu können.
Es ist offensichtlich, dass jeder, der Produktionsfaktoren kombinieren will, eine harte „make or buy“ Entscheidung zu treffen hat. Im Falle Infrastruktur heißt die entscheidende Frage: „wo muss ich tatsächlich bauen und wo kann ich für welchen Preis auf bestehende Infrastrukturen zurückgreifen?“
Die öffentliche Hand darf keine Steuergelder verschleudern, indem sie parallel zu vorhandener Infrastruktur Leerrohre legt und ein privater Investor ist allein aus Wirtschaftlichkeitsgründen gezwungen, jede Möglichkeit zu nutzen, Verlegungskosten zu senken.

Alle sind z.B. auf die Kenntnis der Kabelverzweiger-Standorte und deren technischer Beschaffenheit (Dämpfungswerte etc.) angewiesen, sowie auf Informationen zu verfügbaren Glasfaserstrecken zur Erschließung der Kvz, um den Markt insgesamt zu entwickeln.

Telekom weiß das sehr wohl und verhindert derzeit in jedem uns bekannten Projekt mit allerlei Zinnober, dass relevante Informationen das Haus verlassen. Wobei ein Verhindern ja letztlich gar nicht möglich ist. Auch das weiß das Murmeltier. Aber: jeder Tag Verzögerung rettet strukturgegebene Monopolgewinne.
Gerade am Wochenanfang hatten wir eine typische Diskussion mit einem bedauernswertem Gesandten des Königshofs, der uns und die beteiligten Landkreisvertreter mit allerlei lustigem Gehabe und bunten Kaninchen auf PowerPoint verzauberte und darlegte, dass die Kvz-Informationen nur dann die geheiligten Hallen verlassen würden, wenn die Landkreise direkte (bezuschusste) Kooperationen mit Mamma Magenta eingehen würden.

Und wieder wird es so ausgehen wie immer: Nach diversen Eskalationsschreiben (die wir als Standardbriefe gerne weiteren Betroffenen zur Verfügung stellen) und Androhung juristischer Konsequenzen, mit Kopie an Bundesnetzagentur, Bundeskartellamt, evtl. Bundesregierung, wird ausnahmsweise und ohne Anerkenntnis irgendeiner Verpflichtung, nur aufgrund gesellschaftlicher Verantwortung die DT die Informationen herausmurmeln…

Aber: KP2 verpufft, Wettbewerb stagniert, öffentliche Hand wird vorgeführt, Bürger schicken Briefe, da schneller als T-DSL (Deutschland Soll Leiden - oder besser: Deutschland Sucht Leitungen).

Und jetzt zur ernsteren juristischen Einschätzung dieser Vorgänge: u.E. streift diese Vorgehensweise immer haarscharf am Missbrauch der Wettbewerbsposition vorbei.

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