Die Verfechter von Open Access haben nach unserer Wahrnehmung in der Vergangenheit sehr oft mit als moralisch "gut" zuverstehenden Argumenten für Open Access geworben. Die Frage, ob Open Access ggf. einfach "nur" betriebswirtschaftlich interessant sein könne, hat bisher kaum jemand gestellt. Wir haben darüber bereits in einer Vielzahl von Projekten nachgedacht. Unser Fazit ist: Open Access benötigt (etwas) weniger Kapital als ein gleiches integriertes Modell und erwirtschaftet mehr freie Mittel (= Liquidität).
Nu hat sich auch einer unserer Bloggerfreunde mit dem Thema beschäftigt und im Rahmen seiner beruflichen Tätigkeit für yankee group einen entsprechenden Report veröffentlicht. Zusammenfassend kann man folgende Thesen festhalten:
- Benoit empfiehlt dringend, die Kosten je zu erschließendem Gebäude / Wohnung zu senken. Dabei denkt er mehr über hohe Einmalbeiträge der Kunden nach als über signifikant preiswertere Bauweisen. Hier sehen wir einige Probleme in der Umsetzbarkeit in Deutschland. Prinzipiell aber hat er natürlich Recht: je höher der Einmalbeitrag ausfällt, um so geringer wird der vorzufinanzierende Betrag je erschlossenem Haushalt.
- Erhöhung der Beteiligungsquote (mit fast allen Mitteln). Dabei empfiehlt er, wie ein Versorger zu denken statt wie ein Telekom-Unternehmen. Dem kann man nur zustimmen, quasi ohne Nachdenken :-)
- Das Netz für Wettbewerber öffnen, denn so erhöht man die Beteiligungsquote. Der monatliche Durchschnittsumsatz sei zwar geringer, aber die operative Marge höher als bei eigener vermarktung (Wegfall vieler betrieblicher Kosten). Auch dies ist eigentlich offensichtlich, stößt aber bei vielen Marktteilnehmern heute auf (für uns) unverständliche Widerstände.
Benoit hat mit seinem Kollegen Wally Swain ein grundlegendes FttH-Rechenmodell entwickelt, das in dem Report auch eingehend erläutert wird. Hier haben wir an mancher Stelle so unsere Kritik - aber letztlich bleibt aus unserer Sicht der Verdienst, die Prinzipien des Open Access nicht nur rein moralisch (transparant, nicht-diskriminierend usw.), sondern hart betriebswirtschaftlich durchgerechnet zu haben. Der Report gibt außerdem einen Eindruck über die betriebswirtschaftliche Sensitivität eines FttH-Netzmodells für die verschiedenen Parameter. Für Interessierte an dem Thema sei auf diesen Link verwiesen, in dem Benoit das Webinar zu dem Thema im Netz veröffentlicht.
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